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Alma
Alma (Deutsch)Dr. Alexander Freund
00:00 / 1:07:59

Unbearbeitete Aufnahme des Interviews (auf Deutsch)

Hinweis

Interviewte: Alma L.

Interviewer: Dr. Alexander Freund

Datum der Sitzung: 05. Juli 1993 

Ort des Interviews: Vancouver, B.C.

Sprache: Deutsch

Informationen zum Urheberrecht: Oral History Centre (UWinnipeg)

Das untere bearbeitete Transkript ist dem Original in deutscher Sprache entnommen.

Teil 1: Die Gründe für das Auswandern und die ersten Schritte
Teil 1: Die Gründe für das Auswandern und die ersten Schritte in Kanada
1.1 Das Leben in Europa und die Migrationsentscheidung
1.1 Das Leben in Europa und die Migrationsentscheidung

[00:00:30]

Alma: Ja, ich hatte hier Verwandte, eine Tante, ein Onkel, und hab auch Cousins hier eine Reihe und wir haben uns dann nach dem Kriege gefunden wieder, wir waren ja auch verjagt und verschleppt in Polen, und dann hat meine Tante hat mir geschrieben: “Ach komm doch mal rüber, weil da hast doch nichts zu verlieren,” ja, wir hatten ja nichts, ne. Und da bin ich hier herübergekommen. Und dann nachher... Hat es uns ganz gut gefallen. Und zu die Verwandten, Tante sprach ja Deutsch, Onkel auch und zwei von den Kindern sprachen auch und die anderen nicht. Und so haben sie mich hierüber gebracht. Ich habe dann später die Reise zurückbezahlt wieder, die sie dann ausgelegt haben für mich. Und da hab ich alle meine Geschwister, meine Mutter, Vater und meine Schwestern alle in Deutschland gelassen und bin dann losgegangen.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.1.1.a

[00:07:51]

Alexander: Waren Sie immer mit ihrer Familie zusammen?

Alma:  Nee, nee, niemand, damals war ich gar nicht zusammen, war ich alleine. Meine Familie wußte ich noch gar nicht, wo die richtig sind. Die habe ich da nicht gefunden, daß war erst später. Ich bin erst ‘siebenundvierzig von Polen raus. Da kam ich nach Wernigerode, da habe ich in Wernigerode im Harz im Krankenhaus gearbeitet als Station, als Mädchen, als Putzmädchen da.

Und da bin ich ausgerissen, über den Brocken mal, und ich hatte einen Bekannten da, der wollte auch gehen, der hatte einen, der das so heimlich gemacht hat, da haben wir ihn bezahlt und da sind wir dann die ganze Nacht sind wir gelaufen von Wernigerode über den Broken. Da kamen wir morgens an, das war im Sommer gewesen, da war der Roggen so groß, durch die Grenze rüber, da waren an der Westzone, da haben sie uns dann wieder... Die wußten, haben uns schon sehen kommen, da haben sie uns bloß gesagt, wo wir sollen weitergehen: da und da runter, zu einer Station, da konnten wir hinfahren. Meine Tante, die Schwester von meinem Vater, die wohnte bei Husum, dreiβig Kilometer weg, Allendorf hieß es, auch ein Dorf, dreiβig Kilometer weg von Dänemark. Da war ich in ein Haushalt gegangen wieder, in einen Landhaushalt, da war ich auch fast ein Jahr, nein, kein ganzes Jahr, nur ein halbes Jahr. Und dann wollten sie mir da nicht ganz ‚accepten‘ ich mußte nur Papiere haben wieder, mußte gehen durch ein Lager, wie sagt man, so ein Flüchtlingslager. Dann bin ich gefahren nach Siegen. Dann bin ich auch nicht mehr zurückgekommen, dahin wieder. Bin ich wieder in einen anderen Haushalt, wieder wo andernorts hin. Ich hatte mehr Unternehmensgeist, wie man geglaubt hat damals. Dachte, ich habe da nichts und da nichts, ah, geh mal weiter, geh mal wieder in eine andere Gegend. Bin ich gegangen ins Sauerland zu einem ganz großen Bauer. Und da im Sauerland hat es mir auch gut gefallen. Da war ich...Aber da habe ich nicht im Haushalt gearbeitet, da habe ich auf dem Lande gearbeitet. Da habe ich Kühe gemelkt, da hatte ich so zwӧlf, dreizehn Kühe jeden Tag, jeden Morgen und jeden Abend und da war noch mehr Hilfe, das war ein Großbauer. Da war ich gewesen einen ganzen Sommer durch. Da war ich auch nicht ein ganzes Jahr. Auch, auch...Da bin ich so auch so im Herbst Schweine gefüttert, Ferkel immer gehabt, große Kessel voll kochen und allsowas, nicht? Und war gut. Da habe ich genausoviel bezahlt gekriegt, wie der Mann, der auf dem Lande arbeitete. Ja, in der Zeit. Aber da bin ich auch wieder losgegangen. Da habe ich wieder eine... Da hab ich meine Mutter gefunden, die wohnte dann in Lemgo.

Alexander: Wann war das?

Alma: In Lemgo, das ist bei Bielefeld. Das war alles in Deutschland noch.

Alexander: Nee, wann war das, in welchem Jahr?

Alma: Das war...'siebenundvierzig bin ich aus Polen gekommen, 'achtundvierzig war ich in Wennigerode, 'neunundvierzig war ich in Schleswig-Holstein im Allendorf for a while, da war ich bloß für ein paar Monate, da bin ich nach Siegen, das war auch noch 'siebenundvierzig, no, das war 'neunundvierzig. Anfang 'neunundvierzig? Irgendwo in den paar Monate da wo zwischendurch, da kann ich mich nicht so richtig erinnern. 1950 da war ich ja schon Mitte Februar hier in Vancouver angekommen. [...]

Alexander: Wie lange hatten Sie Ihre Mutter da nicht mehr gesehen?

Alma: Da hatte ich meine Mutter schon nicht gesehen für Jahre.

Alexander: Und die restliche Familie?

Alma: Mein Vater, der hat sich dann wieder noch später gefunden, der kam in russische Gefangenschaft, von Rußland, da wo her.

Alexander: Da waren sie schon in Kanada?

Alma: Ja, nee, da war ich noch nicht. Da war ich auch noch in Lemgo. Da war ich vom Sauerland nach Lemgo. Da bin ich dahin wo meine Eltern auch waren und da war ich gewesen im Haushalt, im Stadthaus in Lemgo, das ist da bei Bielefeld, Bielefeld und Lippe-Detmold war eine Seite, ja. Da war ich da bis ich dann nach Kanada kam. Im Haushalt, da habe ich dann der Hausfrau, die war krank gewesen, da hab ich alles dann gemacht, sogar auch Schweine schlachten helfen, sie hatten so einen ziemlich großen Garten, er war Schneidermeister mit seinem Sohn, der hat ein paar Lehrlinge gehabt. Mutter war krank. Da habe ich dann alles gemacht. Hühner hatten wir, Schweine und Ziegen. Und von da bin ich dann nach Kanada. 

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.1.1.b

1.2 Die Reise mit Schiff und Zug
1.2 Die Reise mit Schiff und Zug

[00:01:28]

Alma: [...] Ich war nicht allein auf dem Boot. Da waren alle Deutsche, die kamen diesen Weg. Die sind dann in Neu Brunswick sind wir dann gelandet. Und von da sind wir dann verschifft worden in eine Bahn und da hat es uns vier Tage und vier Nächte ungefähr genommen, bis wir dann hier in Vancouver angelandet sind. Schön, nicht? 

Ja, und da sind dann immer ab und zu mal welche ausgestiegen. Manche mußten nach Toronto gehen, nach den Okanagan, die wurden dann rausgerufen, so eine Stunde bevor, dann da wenn sie, sollen sie aussteigen und dann noch durch die ganze Prairie, da sind dann in Alberta viele ausgestiegen, in Saskatchewan, allsowat. Und da haben dann viele, wußten, daß sie in einer Stunde aussteigen, die haben dann geheult und geweint. Ja. [lacht] Hab ich auch gesehen warum. Das war im Winter gewesen: da sieht man nichts, da hat man nur Schnee und ein paar Coyotes da gesehen, herumlaufen. Und dann so ein kleines Häuschen und ein großes Auto davor, und dann vielleicht eine Wäscheleine hängt da mit Wäsche flattert, das haben sie gesehen und da sollten... Da kam dann ein kleine Station, da sollten sie aussteigen, da war vielleicht ein Mann dadrin und denn so eine kleine Bude, da haben sie gesagt: “Wo wollen wir nur?... ich sehe niemanden hier, wo?... hier mitten auf dem-- in Nowhere, mitten im Lande da aussteigen und wo kommen wir nur hin?” Ist vielen so gegangen. Wir dachten: “Oh, no, daß...” meine Tante hat immer geschrieben: “Hier ist es schön” und dies und jenes. Und da dachten wir, wir haben noch einen ganzen Tag zu gehen, oder zwei. 

Wie wir dann in die Okanagan Gegend durchkamen mit dem Zug, da war es schon wieder anders, da haben wir schon die Rockies gesehen und Banff und da sind wir durchgefahren, da war es schon wieder anders, da haben wir schon besser gefühlt. Und dann, wie wir dann hier ankamen bei Vancouver, da haben sie uns wissen lassen, das war gewesen Mission, noch eine Stunde nach Vancouver. Da dachten: “Ah, hier gefällt’s mir schon ganz gut.” War auch Winter, lag ein bißchen Schnee, nicht viel, jetzt haben wir fast gar keinen Schnee nicht mehr, denn damals war das Wetter hier auch ein bisschen anders. Nun kamen wir hier an, da waren meine Tante, meine Verwandten da, waren alle auf dem Bahnhof, der lag noch am Wasser in der Stadt, der ist nicht mehr da. Und da haben die mich dann abgeholt und die anderen wurden dann auch alle abgeholt. Und dann blieb ich zwei Wochen bei der Tante, habe mich da ausgeruht von der Reise und dann hat sie mir eine Stelle verschafft. Ich hatte das wohl schon gesagt.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.1.2.a

[00:17:26]

Alma: Aus Deutschland, oh ja, ja. Das war in Bremerhaven, ich denke, dass war Bremerhaven, ja. Um elf Uhr abends fuhren wir weg und eingeschifft wurden wir um zwei Uhr ging es dann los, sollten schon da sein.

Alexander: Zwei Uhr morgens?

Alma: Nachmittags. Ja, da waren wir da. Haben wir noch meine Dame wo ich hab gearbeitet, die kranke, die kam noch mit nach Bremen. Und wir waren da in so einem Überseelager in Bremen, die kam noch mit für ein paar Tage. Und eine von meinen Schwestern, die konnten da auch schlafen, wo wir waren. Die haben mich auch gebracht bis ans Schiff noch. Die konnten ja nicht ‘rauf. Und wir sind dann alle drauf und als wir da eingeschifft waren mit die Beaverbrae, ja. Wenn Sie von dem Schiff mal gehört haben. Abends ging es dann  los. Da haben sie uns so ein Essen gegeben, da wurden wir alle krank. Wir waren noch nicht aus dem Hafen richtig raus, da wurden wir alle seekrank.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.1.2.b

[00:21:59]

Alexander: Was haben Sie so in den vierzehn Tagen [auf dem Schiff] gedacht, was hatten Sie da so für Gedanken?

Alma: Ach, die Gedanken, die waren-- ich habe mir gedacht, erst hab ich gedacht was ich meine Mutti geschrieben habe nach Hause, ich hab das noch immer nie vergessen. Hab ich geschrieben: “Wenn ich das gewußt hätte, wie die Reise war gewesen, dann wollte ich kein Kanada sehen.” Und dann war auch so gewesen. Wirklich, das hab ich wirklich richtig so gemeint. Das haben die anderen auch gesagt. Die Seekrankheit hatten wir uns da rangeholt gehabt. Da kannst nicht essen richtig, gar nicht essen, nur trinken. Der eine junge Mann und die eine, die ich da kannte, habe ich Geld gegeben, jemanden in die Kantine, kauft mich das erste mal Bier. Das hat mir geholfen, stark gehalten. Bier konnte ich trinken. Ja, diese can-beer, kannte ich auch nicht, von Deutschland kannt ich das nicht. Die haben mir das gebracht. Habe ich jeden Tag ein paar Bier getrunken und da habe ich da so gelegen, wie so ein Hund, da, oben auf dem Deck oder unten. Und dann unterwegs war es auch so. Wir mir dann sind-- Mußten wir erst durchs Zoll gehen und dies und jenes und da haben sie uns dann alle unsere Klamotten – ja, viele hatten wir ja nicht, hatte wir ein paar Koffer gehabt – und wollten alles durchgucken, haben es auch durchgeguckt. Mußte man sagen, was man alles drin hat. Und dann kam man mit die Eisenbahn hierher.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.1.2.c

1.3 Die ersten Schritte in Kanada
1.3 Die ersten Schritte in Kanada

[00:04:35]

Alma: Das is egal. Dann kam ich zu dieser einen Familie, zu dieser, einen jungen, jüdischen Familie war es und da war ich drei, vier Monate war ich da. Da fing ich an, Englisch zu lernen. Die kleinen Kinder sind hier immer am sprechen; die habe ich dann versehen und den Haushalt gemacht, das war alles, was ich da machen brauchte. Nachher bin ich in einen anderen Haushalt gekommen und der war eine andere Sorte, auch eine jüdische Familie. Oh ja, die haben mich alle gut behandelt. Da hatte ich es sehr gut: der Mann der war sogar — ich war ja damals jung, da war er ja manchmal wie ein Vater zu mir. Ich habe überall gewohnt, ich war Tag und Nacht da. Da war ich gewesen Hausmädchen, die hatten bloß einen kleinen Jungen, zweieinhalb oder war er schon drei Jahre? so ein kleiner Junge.

[...]

Alma: Ja, da war ich zweieinhalb Jahre. Das war eine Familie, die hatten immer viele Gäste, immer viele Cocktail Parties und all so etwas, was die erste nicht hatten. Die ersten waren gewesen eine jüdische ungarische Familie, die sprachen Ungarisch, Deutsch und Englisch. Die waren vom letzten Holocaust übriggeblieben noch; überstanden haben die das, ja. Und die anderen, die waren Tschechische, er war aus der Tschechei, und sie war eine Wienerin, und die haben alles ihre... Vor dem Kriege, sind ’achtunddreiβig mal hiereingekommen, die haben alles mitbringen können. Darum hatten die alles, ein schönes Haus und ein großes Sägewerk hier, die haben sich dann alles hier kaufen können. Und da hatte ich es leichter. Ich brauchte den kleinen Jungen nicht mal am Tage [zu versorgen], ich war bloß abends da und zum Frühstück machen und so etwas. Da habe ich das Essen auch Frühstück machen für die Familie — bei der ersten nicht, bloß für die Kinder habe ich gesorgt. Und dann Hausmädchen war ich da.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.1.3.a

[00:19:44]

Alexander:  Was hatten Sie für Erwartungen als Sie nach Kanada kamen?

Alma: Ich habe wohl mehr erwartet wie was ich gesehen habe, nicht. Ich dachte, ach, die reden so viel von Amerika, von Kanada und das war gar nicht so. Nee. War so arm—

Alexander: Arm?

Alma: Ja, so armselig noch. Da waren die Leute besser in Deutschland, Europa auch besser noch, die hatten bessere Wirtschaften wie hier. Kam mir hier alles so armselig ein bißchen vor; so primitiv, war es auch gewesen. Nun ist ja auch wieder anders. So ne kleine Häuschen, die waren so ne kleine, die alten Häuser in der Stadt, die sind hier meist alle weg. Aber es ging. Wo gewöhnt man sich nicht?

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.1.3.b

[00:24:05]

Alexander: Sie sind aber allein gekommen?

Alma: Ja, ganz alleine.

Alexander: Vielleicht können Sie von den ersten Stunden oder Tagen, als Sie hier in Vancouver waren, erzählen, was Sie so für Eindrücke hatten.

Alma: Ja. -- Alle kamen mir sehr arm, sehr viel arme Leute, bis auf, ich war hier da meine Tante wohnte da näher nach der Stadt zu, da war es nicht so verbaut wie jetzt. Da habe ich gesehen, hm, wie werde ich wohl hier fertigwerden, wie wird’s mir wohl gehen? Und da habe ich gedacht, wenn ich das alles gewusst hätte, was ich bis jetzt durchgemacht habe, ich wäre auch nicht gekommen. Aber dann lebt man sich ein, da gehste erstmal arbeiten, nicht. Habe ich da gearbeitet, musste ich überall arbeiten. Dann habe ich mir auch so gesagt, ja arbeiten musst du überall, nun noch wieder zurück kannst nicht jetzt nicht fahren.

Kannst nicht hingehen, sagen, Tante, ich gehe zurück. Mußte ich erstmal arbeiten, daß ich die Reise bezahlt habe hier. Und dann hab ich mir Geld gespart noch gehabt. 

[...]

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

de.A.1.3.c

Teil 2: Das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg als eine Deutsche Frau in Kanada
Teil 2: Das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg
2.1 Wie war es als Deutsche in Kanada?
2.1 Wie war es als Deutsche in Kanada?

[00:27:09]

Alexander: War die Behandlung von den Leuten, die Sie angestellt haben anders in Deutschland als in Kanada?

Alma: Ja, ich denke ein bißchen anders. Ja, bißchen anders. Die waren, weil wir ja auch nur Flüchtlinge waren da, nicht, da haben sie uns ja auch so, ich habe gemerkt, sie haben uns da auch so damals nicht-- hier hat man das nicht gemerkt, daß sie sagten uns Flüchtlinge oder ihr seid ja nur Flüchtlinge oder so. Ich muß das ehrlich sagen, ich sag's Ihnen so wie's ist, ne. Da haben sie uns angesehen, wir Flüchtlinge, ne, und dann sind sie hiergekommen und da--. Aber da hat man auch an alle schlechte Arbeit ran müssen, da. Ja, das mußte man auch. Hier, in dem zweiten Haushalt hab ich nicht brauchen so schwere arbeiten. Da hatte ich es leichter, ja. Da auf dem Lande hat ich es besonders [schwer], da bin ich auch losgegangen, wurde mir zur schwer. Ich konnte nie die--

[Unterbrechung durch Telefon]

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.2.1.a

[00:30:50]

Alma: [...]Der Mann von der ersten jüdischen Familie wollte mir zulegen, hatte mir dann gesagt, er wolle mir zulegen [besser bezahlen], er hatte mir gesagt er werde mir zulegen, nach drei Monaten werde er mir zulegen. Wie dann die drei Monate kamen, da hat er mir nicht zugelegt, naja, das waren auch ärmere Juden schon, die fingen auch an: Hat so'n kleines Zimmerchen gehabt, da hat er angefangen sein Business, auch ‘ne Familie. Aber die Juden sind ja hier, die haben, was ich gemerkt hab, die haben so gut zusammengehalten. Der Reiche hat dem Armen geholfen – damit der auch hochkommt. Das hat mich da so gut gefallen, deswegen ja. Die haben sich alle gegenseitig geholfen. 

[...]

Ja, die waren Anfänger, die waren erst gekommen, naja, nach -- wo sie waren gewesen Holocaust weiß ich auch nicht, aber die waren gewesen da.

Alexander: Wissen Sie, warum sie Sie angestellt haben?

Alma: Weiß ich nicht. Die brauchten-- Weiß ich nicht, hab ich nie rausgefunden.

Alexander: Kannte Ihre Tante die?

Alma: Meine Tante? - Ja. Ich denke sie kannte, sie wußte wo das war. Hier waren viele in solchem Haushalt, die waren viel. Deutsche Juden waren hier, und dieses waren ungarische Juden und die tschechische Juden, wo ich war, die konnten alle Deutsch. Da war auch nicht einer, der nicht Deutsch konnte. Ja, die konnten alle. Paar österreichische Juden waren auch hier. Die Reichen, die waren alle vor’m Krieg gekommen.

Alexander: Wie hat die Familie Sie behandelt?

Alma: Ganz gut.

Alexander: So als Familienmitglied eher oder mehr als Angestellte?

Alma: Mehr als Angestellte. Ja, nicht als Mitglied, nein, beide nicht.

Alexander: Wo haben Sie gegessen, zum Beispiel?

Alma: Alleine.

Alexander: In der Küche?

Alma: Ja, in der Küche.

Alexander: Wie haben Sie das empfunden?

Alma: Die erste, wo ich war gewesen, die ärmere, die haben auch in der Küche gegessen. Aber ich hab die Kinder dann ihr Frühstück müssen machen und da hab ich mit die Kinder gegessen, zusammen, mit denen. Und er mußte dann weggehen und sie hat dann immer, sie aß alleine, sie kam dann erst vielleicht um zehn Uhr aus dem Bett.

Alexander: Sie war den ganzen Tag da?

Alma: Sie war den ganzen Tag da. Und ich hab das da gemacht. Und wie sie dann auf war, da hat sie ihr Baby, ihre zwei Kinder beguckt, gespielt und so, spazierengefahren so mit dem buggy und ich hab dann den Haushalt gemacht. Die Wäsche hier gewaschen, vacuum cleaned [Staub gesaugt] und Staub gewischt und sie hat dann so, in ihrem Schlafzimmer hab ich dann nicht, das sagte sie, das wird sie sich dann selber machen, aber die andere[n] Räume alle. Hauptsächlich für die Kinder gearbeitet. Und der zweite Job wieder...

[...]

Alexander: Wie war so der Kontakt mit der Frau?

Alma: Ähm, fein. Ja.

Alexander: Haben Sie viel mit der gesprochen während des Tages?

Alma: No, wir haben nicht so viel gesprochen. Sie war ja auch ihren Weg. Sie hatten das Kochen gemacht, das Einkaufen hat sie dann selber gemacht. Die kochten anders wie die anderen. Die waren so, die haben, na, wie sagt man, verschiedenes Essen gemacht mit, was, nur mit Milchsachen, die mußten andere Töpfe haben und so was, und da kam ich nicht zurecht. Da kam ich in Konflikt. Paar mal hat sie mir gesagt, daß ich das Handtuch nicht für das nehmen soll und so. Dachte ich mich im Stillen: Mein Gott, was kann denn das viel schaden. Das hatte was mit der Religion zu tun. Was das da ist weiß ich nicht.

Alexander: Das koschere Kochen.

Alma: Ja, koscher und... ja für die Kinder hat er sogar, haben sie sogar Speck gebracht, da sagte er mir, ich soll alle paar Tage so'n paar Scheiben die Kinder Speck braten. Und eine ganz andere Pfanne, ein ganz anderes Tuch, und ein ganz anderes Waschwasser – abwaschen, ja. Ist interessant, nicht? Aber dann, na, dann bin in dann los...Bei den anderen war das dann nicht so. [...]

Alexander: Wie ist das passiert? Hat sie Ihnen das ganz normal gesagt?

Alma: Ja, ganz normal gesagt, ich soll doch das kolerierte, hat sie mir das hingehängt: Na, das ist doch das blaukarierte, das soll ich doch nehmen für wo mit Fett was dran ist und das andere, wo die Milchsachen und so das andere ist, das war dann wieder ne andere Colere [Farbe], das hat sie mir dann da so hingehängt und das konnte mir dann nicht in den Kopf herein und das hab ich manchmal verwechselt. Da hat sie mir dabei gegriffen, irgendwie, wie es dann so geht, nicht. Habe ich es wieder verkehrt gemacht. Aber so kann ich nicht sagen, waren sie nicht schlecht.

Alexander: Und der Mann, wie hat der Sie behandelt?

Alma: Der hat mich ganz gut behandelt. Wie ich ihm dann gekündigt hab, ich hab dann mit meiner Tante darüber gesprochen: Ach, sagt sie-- Da wußte meine Tante schon von der anderen, daß sie auch jemanden suchten, ein Mädchen. Sagt sie: Bleib man nicht da, da hast du bloß ein Kind, und hier mußt du drei besorgen. Sagt sie, geh du mal wieder. Und der andere hat mich gleich mehr gegeben.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.2.1.b

[00:38:56]

Alexander: Haben Sie davor, bevor Sie Ihren Mann kennengelernt haben, irgendwelche anderen Leute kennengelernt?

Alma: Oh ja. Hier, die ersten drei Monate nicht, die ersten drei oder vier Monate, wie ich hier war. Bei dem ersten, hab ich mich gar nicht gekümmert, da bin ich immer zu meiner Tante gegangen.

Alexander: Ah ja, jeden donnerstag und jeden zweiten Sonntag?

Alma: Ja, zweiten Sonntag.

Alexander: Und aber auch in die Kirche?

Alma: Oh ja, auch in die Kirche. Und da bin ich auch manchmal auch zum deutschen Club so gegangenen, mit anderen, da war noch eine andere, wohnten noch da und dies und jenes. Und da bin ich nicht viel weggegangen.

Alexander: Wer wohnte da noch?

Alma: Noch andere deutsche Mädchen wohnten da, hab ich da kennengelernt in die Kirche, die wohnten auch so im Haushalt wie ich, da so ein paar Blocks weg wo ich war. Da sind wir zusammen ausgegangen. Sind wir Sonntags mal in den Park gegangen, der Queen Elizabeth Park war da in der Nähe oder der Stanley Park, haben wir auch Sonntags verbracht. Und dann sind wir wieder zusammen nach Hause, ging man zusammen, daß wir nicht wollten allein abends nach Hause kommen.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.2.1.c

[00:50:09]

Alexander:  Wie war so Ihr Eindruck von der Kultur hier?

Alma: Gut, es war so verschieden hier, wie man sagt so multikulturell, jeder hat seine eigene Kultur mitgebracht, die Deutschen haben ihr eigenes, die Skandinavier, die sind ein bissel anders, die sind sehr ähnlich unsere, und dann die Ukrainer haben ihres mitgebracht, es waren viele Ukrainer damals, sind wohl heut noch. Die Polen, da sind wir nie nicht hingegangen zu die Polen. Mit die Ukrainer waren ein bisschen zusammen auch ab und zu mal. Hat man sich da wo befreundet. Mein Mann hat dann immer viele beim Job getroffen. Sonst andere Nationen haben wir gar nicht so, kann ich mir gar nicht denken. Und dann später, ja, Italiener, ja mit die Italiener waren wir ziemlich viel auch zusammen.

Alexander: Was haben Sie mit denen so gemacht?

Alma: Sind auch auf ihre Fiestas da gegangen, zusammen und auf ihre, die hatten immer viel Parties und Banquets und da sind wir dann zusammen mit denen gegangen, sind noch heute zusammen. Haben noch unsere alte, italienische friends und haben dann auch noch neue dazu gekriegt. Das sind dann Portugiesen. Das sind auch so ähnlich wie wir Europäer alle, mit die kommt man auch ganz gut fertig. Dann sind wir meistens mit den Deutschen und mit den Kanadiern hier, kamen wir dann näher zusammen mit den Kanadiern, die schon ein paar Generationen kanadisch sind, aber auch, die kommen alle von wo, die kommen von Irland manche, von Schottland.

Alexander: Wie finden Sie das, dass jeder seine eigenen Kultur mitbringt?

Alma: Ach ja, ja. Bin ich auch mit meinem Mann gegangen zu der Irish Rovers, die kamen in die Stadt, da hat es uns auch ganz gut gefallen, die Irish sind ja wieder so ein bißchen anders. Aber wenn man dann die Sprache kennt, dann geht man so ziemlich überall hin. Dann hat mein Mann einen guten Job gehabt, da hat er bei einer großen Firma gearbeitet, da sind wir dann, die hatten dann auch immer Weihnachten ganz groß eingeladen, große dinners, für ihre ganzen, die gearbeitet haben für die. Und dann durften sie die Frauen mitbringen und so etwas alles. Das waren dann auch Engländer gewesen.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.2.1.d

[00:52:56]

Alexander:  Fanden Sie, dass hier die kulturellen Werte anders waren als in Deutschland? Zum Beispiel Ansichten über Familie oder Heirat, war das anders als in Deutschland?

Alma: Ja.

Alexander:  Inwiefern?

Alma: Jede Nation – damals, nu ist es bisschen anders – jede Nation da hat nach seine gezogen, jeder hat seine Kultur bewiesen, ihre eigene Art, die Italiener, die haben ihres gehabt, ihre Musik, die haben ihre Kleidung getragen. Auch die Ukrainer, die waren ziemlich sehr mit ihrer Kultur, was sie mitgebracht haben, und sogar ihre Handarbeiten, alles, ihre Kleidung, ihre Tänze und ihre Pickniks.

Alexander: Sie haben sehr viel mit denen gemacht?

Alma: Auch. Joined.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.2.1e

2.2 Wie war es als eine Frau in Kanada?
2.2 Wie war es als eine Frau in Kanada?

In dem Interview sprach Alma nicht viel über die Erfahrung, eine Frau in Kanada zu sein. 

A.2.2.a

Teil 3: Die Geschlechterdynamik in Ehe und Familie
Teil 3: Die Geschlechterdynamik in Ehe und Familie
3.1 Die Familiendynamik
3.1 Die Familiendynamik: Eltern, Geschwister und Großfamilie

[00:13:22]

Alexander: Was hat Ihre Familie dazu gesagt?

Alma: Gar nichts. Die hatten ja auch nichts. Die haben ja auch da alle gearbeitet. Haben nichts gesagt, ne, die haben nichts; ich war hier die erste gehen. Mein Vater sagte: “Geh mal, geh mal.” Er war ja mal gewesen, 1913? No, er war dreizehn Jahre in Amerika, dreizehn Jahre alles zusammen war er gewesen mal, wie er ein junger Mann war. Oh, da war er mal, der sollte ins russische Militär eingezogen werden, das war noch damals wie die Russen in in Polen mal waren – wieder, in den Jahren. Und da ist er abgehauen, er wollte nicht gehen ins Militär. 

War er gewesen ein Jahr in Deutschland, in Harburg, bei Hamburg da, da hat er sich Geld verdient selber, damit er die Schiffsreise nach New York oder wo er wohl...Er war in Cleveland, Chicago, da hat er gelebt gehabt, früher mal. Und da sagte er mal zu mir, sagt er: “Ich kann dir nicht helfen, ich kann dir nichts geben” – war ja nun auch schon ein alter Mann “ich kann dir nicht helfen, siehst ja, wir haben nichts, haben alles verloren”, haben alles verloren in Polen, nicht? “Geh raus.” Und nun war es ja auch zu seine Schwester [ihre Tante]. Haben sie [Eltern] nichts dagegen gehabt. Haben sie auch gar nicht bedauert. Er sagte er war so lange gewesen in Amerika und ihm hat es da gefallen gehabt vor dem Kriege, ja. Hat auch schwer gearbeitet, aber...

Alexander: Was hat Ihre Mutter dazu gesagt, als Sie weggegangen sind?

Alma: Ah, Mutter hat es, wie jede Mutter, hat’s ihr schwer gefallen. Aber ich habe sie auch mal kommen lassen hierher, da waren wir schon beide verheiratet, nicht in hier, in diesem Hause. Waren wir schon verheiratet, hatten schon die zwei kleinen Kinder und dann hat mein Mann sie mal für ein Jahr beide kommen lassen. Und mein Vater war hier zuhause: konnte Zeitung lesen, konnte fahren überall hin, bloß Mutter konnte nicht. So, die Mutter war dann mit mir immer so am meisten zusammen.

Alexander: Wie war die Beziehung zu Ihrer Mutter?

Alma: Gut. Oh ja, ja. Ja, ein paar mal, wie sie dann schon alt und krank war, hat mich mein Mann immer lassen nach Hause fahren zu meiner Mutter hin, nach Besuchen. Ja, ich bin wohl schon sechs mal da zuhause gewesen.

Alexander: Haben Sie Ihre Mutter vermisst als sie weggegangen sind?

Alma: Oh ja. Ich habe sie alle vermisst. Ich wollte bloß das nie sehen lassen direkt – aber ich habe sie doch vermisst, ja.

Alexander: Warum wollten Sie das nicht zugeben?

Alma: Nicht recht zugeben. Die haben mich dann gefragt: “Na, wie gefällt’s dir denn?” – meine Verwandten. “Naja, gefällt mir.” Die waren ja nett, haben mir auch gut behandelt, meine Verwandten, war kein Problem. Bin noch immer in touch mit denen, mit meinen Cousins.

Alexander: Und warum wollten Sie das nicht sehen lassen?

Alma: Ich wollte auch nicht, ich dachte ich bin nun erwachsen, schon zwanzig Jahre, wollen mir doch dann nicht so anstellen, das ich nun da jammern werde. Da waren mehrere, ich war nicht alleine, den anderen gings es auch nicht besser.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.3.1.a

3.2 Die Ehedynamik und Familienstruktur
3.2 Die Ehedynamik und Familienstruktur: Ehemann, Kinder, Schwiegereltern

[00:37:43]

Alexander: Sie haben gesagt, dass Sie donnerstags und jeden zweiten Sonntag frei hatten. Was haben Sie dann gemacht?

Alma: Da bin ich in die Stadt gefahren; da bin ich mal zu meine Tante reingefahren für ein paar Stunden; da bin ich mal auch-- ich ging gerne in downtown. Und dann hab ich meinen Mann kennengelernt auch.

Alexander: Wo haben Sie den kennengelernt?

Alma: Den habe ich hier in der Kirche kennengelernt. Den kennengelernt. Und der kam dann manchmal donnerstags abends, wenn er abends von der Arbeit kam, ich sagte, wo ich bin in der Stadt und dann haben wir dann, der wohnte auch alleine, und dann haben wir da irgendwo Abendbrot gegessen. Ja, er hatte noch seine Mutter wohnte auch noch mit und ein jüngerer Bruder wohnte auch in eine kleine Wohnkateriere, auch da in der Nähe nach der Stadt. Aber ich ginge da nicht hin, dann sind wir manchmal ins Kino gegangen, ich ging meinen Weg nach Hause, mußte gehen nach Universität, da runter fahren. Und er wohnte, mußte einen anderen Weg fahren. Und dann kannte ich meinen Mann schon, aber wir kannten uns nicht so richtig, so ab und zu mal sind wir so in die Kirche so gesehen.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

A.3.2.a

[00:55:04]

Alexander: Gut, vielleicht können Sie ein bisschen was von ihrer Heirat oder Ehe erzählen.

Alma: Ach so ja. Wir haben dann auch geheiratet, haben unsere eigene Hochzeit gemacht und hatten unsere alle friends, ledig und schon verheiratet, alle so unser Jahresalter, die haben wir da eingeladen und hatten eine ziemlich große Hochzeit, dachten, die wär ganz schön groß für die damaligen Zeiten. Wir hatten vielleicht so fünfzig, sechzig Leute. Und dinner geben lassen, war in eine Halle, alles bestellt gehabt. Deutsche Musik hatten wir da.

Alexander: Alles auch hauptsächlich deutsche Freunde, die sie da hatten?

Alma: Meist deutsche, auch kanadische, auch mein Herr, wo ich gearbeitet habe, die waren auch alle da, kamen auch mit zur Hochzeit.

Alexander: Konnten Sie sich das leisten, so eine große Hochzeit?

Alma: Ja. Wir konnten uns das leisten, ja. Ich hab etwas gespart dafür und mein Mann auch.

Alexander: War das wichtig für Sie hier zu heiraten?

Alma:  Eine Hochzeit machen?

Alexander: Nein, zu heiraten.

Alma:  Ja, ja, war wichtig.

Alexander: Was war daran wichtig?

Alma: Was wichtig daran war? Ich wollt nicht allein sein. Und mein Mann wollt auch nicht, wollten ne Familie haben, machten weiter so wie unsere Vorfahren gemacht haben. Wollten nicht anders leben.

Alexander: Waren das auch finanzielle Gründe, weil Sie sagten, Sie wollten nicht alleine sein?

Alma: Ja, ich wollte nicht alleine sein. Ich wollt haben einen Partner und ich wollte nicht... Viele sind alleine geblieben, die sind zu gar nichts gekommen, habe ich rausgefunden. Oder Männer, die alte Bachelors geblieben sind, die mußten sterben einsam, alleine sein. Und Frauen auch, sind auch ein paar geblieben, die nicht geheiratet haben. Die leben auch so allein, I don't know wo die, mit der hab ich keinen Kontakt mehr. Die meisten heirateten alle innerhalb ein paar Jahre da waren die ganzen Deutschen alle verheiratet. Da haben sie sich dann meisten ihre eigenen Deutschen gefunden wieder.

Alexander: War das wichtig, einen Deutschen zu heiraten?

Alma: Ja. Ich wollte keinen Kanadier heiraten.

Alexander: Warum?

Alma: Ich hab sie mir angeguckt. Haben viele aber auch Kanadier geheiratet. Vice Versa, Frauen zu die Männer, Männer zu den Frauen. Die sind auch fertig geworden, viele aber auch nicht.

Alexander: War Ihre Familie hier als Sie geheiratet haben?

Alma: Nein, nein, keiner nicht. Nicht ein einziger. Die hatten ja auch nichts in Deutschland. Sie hatten nichts da. Die hatten noch weniger wie ich hier. Ich hab noch einer meiner jüngsten Schwester Geld geschickt, daß sie konnt zur Schule gehen, Handelsschule in Deutschland. Die konnten es auch nicht, waren ja alle arm wie ‘ne Kirchenmaus. [Pause]

Ich weiß nicht ob ich das noch mal wieder wollen, nochmal über, nochmal machen dasselbe, ich, weiß ich nicht, ob ich das noch wieder machen würde oder was anderes machen.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

Al.3.2.b

[00:59:35]

Alexander: Nachdem Sie hier geheiratet haben, haben Sie da noch gearbeitet?

Alma: Nein, ich habe nicht gearbeitet, ich war zuhause. Wir hatten ein Haus gekauft, ein altes Haus. Die ersten Häuser hier, da war das Oberstock zum vermieten, da waren drei single rooms, so housekeeping rooms wie man sagt. Da konnt man kochen drin und einen sink hatten sie zum Waschen und so.

Alexander: Das gehörte Ihnen?

Alma: Das gehörte uns auch, zu unserem Haus.

Alma L., Oral History Interview von Alexander Freund, Vancouver, 5.Jul.1993, University of Winnipeg Oral History Centre. 

Al.3.2.c

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